Zum Mittelalterlichen Phantasie Spectaculum (MPS) in Köln und einem Artikel von report-k

Warum ich mich sehr darüber aufgeregt habe

Ich habe den Artikel von report-k über das Mittelalterliche Phantasie Spectaculum (MPS) und die darin enthaltene Forderung, den Fühlinger See künftig dieser Veranstaltung zu verbieten, gelesen und muss diesem entschieden widersprechen.

Viele Leute in meinem Bekanntenkreis und ich selbst haben sich darüber aufgeregt. Da echauffiert sich der Chefredakteur von report-k darüber, dass etwa ein Viertel der Fläche des Fühlinger Sees dem MPS zur Verfügung gestellt wird, obwohl Sommertemperaturen herrschen und Menschen nach Abkühlung gelüsten. Tatsächlich kam mir eine Großfamilie samt Kind, Kegel und Kugelgrill entgegen, die nicht durch den Eingangsbereich gelassen wurden, als ich das MPS betreten wollte. Sie gingen dann einfach ein paar hundert Schritte weiter und alles war in Ordnung.

Aber was ist das MPS überhaupt? 1993 stieg Veranstalter Gisbert Hiller in den Bereich des „Mittelalter-Hype“ ein. Viele Menschen fühlten sich – durch Fantasy, Herr der Ringe und ähnliche Dinge inspiriert, dieser eigentlich ja Phantasiewelt zugehörig. Dank der Herr-der-Ringe-Verfilmungen eskalierte das. Anstatt faktische Geschichtsfälschung zu betreiben, bezeichtete Hiller von Anfang an seine Veranstaltungen als „Phantasie-Spectaculum“.

Und es war wirtschaftlich erfolgreich. Inzwischen ist das MPS der größte reisende Mittelaltemarkt weltweit und trägt einen beträchtlichen Teil zur Kultur dieses Landes bei – was etwa der eher konservative WDR, im Gegensatz zu report-k – auch so feststellte. Viele Bands, die heute in den Charts sind – genannt seien etwa Saltatio Mortis, Versengold, Mr. Hurley & die Pulveraffen, Faun, Feuerschwanz oder Cultus Ferox – haben durch Hillers MPS eine beträchtliche Förderung erfahren und können teilweise inzwischen von ihrer künstlerischen Arbeit leben, was ohne das MPS wohl kaum so passiert wäre.

Außerdem gibt das MPS kleinen Händlern und Künstlern eine Möglichkeit, die eignen Waren in angemessener Form anzubieten. Als Beispiel sei hier einmal die Pech e.K. aus Wermelskirchen genannt. Ursprünglich eine der vielen Schnapsbrennereien, stand sie nach Ende des Monopols vor dem Aus. Kreativ spezialisierte sie sich auf Lakritzliköre und bietet diese vor allem auf dem MPS an. Es gibt dort auch Schmuck, Leder, Kleider und Felle zu kaufen – alles aus eigener Herstellung. Ohne das MPS wären Arbeitsplätze gefährdet!

Sogar die von der schottischen Landesregierung geförderte Saor Patrol tritt regelmäßig auf dem MPS auf und konnte Dank der dort erzielten Einnahmen inzwischen ein Kulturzentrum in Schottland finanzieren.

In Anbetracht all dieser Fakten und Tatsachen wirkt es extrem überheblich, wenn report-k den reinen Erholungswert eines Gewässers über den Kulturgewinn dieser Veranstaltung stellt. Im Übrigen findet das MPS Köln seit vielen Jahren immer am ersten Augustwochenende statt und ist daher gemäß „kölschen Regeln“ längst Tradition.

Vor allem frage ich mich, warum sich der Autor des Artikels nicht dieselben Fragen beim „Summer Jam“ gestellt hat. Wo bleibt da eigentlich der kulturelle Wert im Vergleich zum Erholungsbedürfnis der Kölner Bevölkerung?