Schatten in den Trümmern – und Licht

Der erste Besuch einer Shadow-Party – ohne Shadow – und des Shadows selbst

Heute war die erste Ausweich-Shadow-Party, an der ich teilnehmen konnte. Wir fuhren – eigentlich wie immer – mittwochs in die Tiefgarage. Gut, machmal haben wir auch die Bahn genommen. Aber meistens ist der Twizy der Vehikel der Wahl, da in der Tiefgarage eine Ladesäule ist. Also dort abgestellt.

Und dann wurde alles anders.

Ich entschied mich bewusst dagegen, die Treppe im Glaskasten zu nehmen, weil wir dann genau gegenüber diesem Eingang heraus gekommen wären. Also die Nottreppe hoch ins City Center – und prompt wurden wir von unzähligen Grablichtern begrüßt, die uns den Weg hoch in den ersten Stock wiesen. Davor schwarze Leute, die denselben Weg nahmen.
Mir wurde warm ums Herz.

Oben eine Abordnung von Leuten, die auch am Shadow am Eingang uns erwartet hätten. Wir bekamen sogar dieselben Verzehrkarten wie immer, wenn nicht …

Ja, es war ein anderer Laden. Die Akustik war anders (wirklich schlecht). Das Ambiente etwas gewöhnungsbedürftig, es gab weder Kaffe, noch Odin – aber: DIE LEUTE!

Die richtigen Leute hinter der Theke, die richten Leute vor der Theke. Es fühlte sich wie zuhause an – wie schnell war dann der Rest vergessen. Und es füllte sich schnell! So viele Leute geknuddelt, so viele Hände geschüttelt, so viele Gespräche geführt. Es fühlte sich an, wie ein Familientreffen, dabei war das Ereignis, das uns auseinander riss, gerade mal anderthalb Wochen her.

Und auch viele Gesichter waren dort, die wir lange nicht gesehen hatten. Wie schön.

Dann kam Claudia mit Deko, die wir eiligst auspackten. Sie und einige andere umwehte allerdings auch ein Geruch, der mit Grillplatz (ganz unten) äußerst nett beschrieben wäre. Wir wussten, wo sie her kam, aber niemand redete drüber. Stattdessen bastelten wir die LED-Grablichter (Brandschutz geht vor!) zusammen und „shadow-isierten“ die Samara-Lounge.
Später fragte mich Claudia, ob ich mal „hingehen“ wollte. Nach kurzem Zögern bejahte ich. Und so kam es auch.


Schon vom Eingang her wehte uns der besagte Brandgeruch entgegen, den ich bereits Tage vorher war genommen hatte. Mit unseren Handylichtern bahnten wir uns einen Weg nach unten. Wir, das waren Claudia und eine Hand voll Leute, die teils beruflich seit Jahrzehnten mit dem Shadow verbunden sind.

Unten durch die Tür und dann … der Schock. Die Klimaanlage und die Reste der Diskokugel hängen von der Decke, überall dieser furchbare Geruch. Daneben die Hocker, die wie für eine kurze Pause abgestellt wirken. Die Theke, nahezu unversehrt – von dieser Perspektive. Und auch der Großteil der „Spinnweben“, wie seit jeher.

Aber dann fallen dir die Details auf. Die Decke wirft Blasen. Auf dem Boden liegt kein Dreck, sondern das, was mal Klimaanlage, Diskokugel, Scheinwerfer und Lautsprecher-Boxen waren.
Wir gehen um die Theke – dort, wo immer mein Stammplatz war. Dort das ganze Ausmaß der Zerstörung. Mein Stammplatz (ihr wisst, dass ich immer am hintersten Ende der Theke saß, neben der Gardarobe) ist noch da, nahezu unversehrt. Doch daneben ist alles weg. Ja, wirklich weg. Der Kasten mit dem von mir vor Jahren mal liebevoll „Knochenmann“ titulierten Inhalt ist völlig verschwunden, ebenso die Hälfte der Kühlschränke. Stattdessen ein Haufen, der wie der Rest eines Lagerfeuers aussieht, jedoch auch Reste von Metal, Holz und einen Haufen undefinierbarer Dinge enthält. Dahinter die Wand, weggebrannt. Darüber die Decke, weggebrannt. Der Kühlschrank daneben – die Tür, weggebrannt. Doch darinnen Flaschen, sogar noch mit Kronkorken. Alle Flaschen in den Halterungen und auf der „Schnapstheke“ – bis auf den allgegenwärtigen Ruß unversehrt. Sogar die Dosierer sind noch da.

Hinter der Theke ist die Küche, die auch als Garderobe genutzt wurde. Dort stehen noch die leeren Kisten und Fässer der letzten Party, doch auch hier – die Kacheln an der Wand sind schwarz, aber die Kleiderhaken (aus Plastik) völlig unversehrt.

Zurück in den Hauptraum. Der Jesus über der Tür hängt noch an seinem Platz, jedoch teilweise geschmolzen und schief, die Maske über dem Notausgang wirkt wie verwelkt. Die Deko über dem Toilettengang ist völlig verschwunden, der Raum selbst aber ist noch wie frisch gemacht.
Und überall dieser Geruch nach Brand, nach Kohle, nach Aschenbecher, nach Zerstörung. Es kribbelt mich.


Währenddessen erzählt Claudia. Für die Kripo ist alles sofort klar gewesen – es war der Kühlschrank, Kabelbrand. Auch die Versicherung schließt sich soweit an. Es geht nur noch um Details. Verhandlungen mit Entkernungsfirmen laufen. Ja, es muss alles raus. Glaubt mir.

Alleine dieser Geruch … Es gibt viele Ideen, wo die Theke und der DJ und alles hin könnte, aber es geht vorwärts.

Sogar der Vermieter ist unbedingt daran interessiert, das Shadow zu halten. Sie haben sogar angeboten, diese seltsame Treppe zu entfernen und stattdessen den Bereich dem Shadow zur Verfügung zu stellen. Wäre das nicht eine wunderbare Kuschelecke für schwarze Nächte? Es geht vorran!


Der Geruch mag noch lange in meinem Klamotten fest hängen (was einige später bei der Party auch feststellten), der Haufen Holz, Plastik, Deko, Flaschen, Grablichter und was da alles im Laden hing, wird entsorgt. Aber das Shadow war immer so toll wie die Leute, die hin gehen – und viele davon waren heute da. Ich habe, obwohl ich vermutlich wie ein ungesäuberter Grill stank, noch so viele tolle Gespräche geführt …

Wir werden den Laden wieder aufbauen – und er wird schöner werden, als jemals zuvor!

Hier mein erster Beitrag über den Brand

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Hier ein Artikel vom Leverkusener Anzeiger mit Fotos