Der Brand in der Discothek Shadow

oder: Ein guter Freund liegt im Sterben

Ich weiß noch genau, wie ich aufs Shadow aufmerksam gemacht wurde. Marcel König (damals eigentlich eher ein Freund meines Bruders) wies mich auf einen neuen Laden „mit irgendwie total cooler Musik“ hin, den wir austesten wollten. Das war Anfang 2001 und vor allem der Mittwoch, der uns reizte. Ich gehöre damit nicht zu den ersten Kunden, aber ich denke, zu den ältesten Besuchern des Shadows.

Wir gingen sehr gerne mittwochs hin, waren dann schnell eine feste Gruppe. Und ja, wir übertrieben auch manchmal. :) Der erste Tiefpunkt war, als an einem Mittwoch einige schlechte Leute im Laden waren und die Leute beklauten (auch mich). Ich stand dann irgendwann oben beim Rainer (erinnert sich eigentlich noch irgendwer an diesen?) und er machte mich zur Sau, weil ich keine Verzehrkarte mehr hatte. Bezahlte dann für mich damals sehr viel Geld und ging zu Fuß nach Hause – ein weiter Weg.

Das hätte es eigentlich gewesen sein können für mich und Shadow. Aber ich hing an dem Laden. Wenig später griff dann Claudia auch Gnadenlos durch – die alte Party wurde gestrichen und das „Proll-Volk“ verdammt. Dann entwickelte sich das Shadow langsam zu dem, was es heute noch ist. *DER* Treffpunkt für Schwarze, egal welcher Richtung.

Ich erinnere mich noch an die völlig wahnsinnige Party am 10. Geburtstag, die von Freitagabend bis Sonntagabend stattfand. Und ich traf da Sonntag jemanden, der nur kurz zum Duschen heimgegangen ist. Ansonsten permanent da war. Und dass wir da erstmalig den Mittelaltertanz machten, der es sogar auf meine Hochzeit geschafft hat.

Oder den Videoabend, wo wir auf der Tanzfläche saßen und lagen und Twin Peaks schauten. Kennt ihr irgend eine Disco, die so etwas machen würde?

Da Gruftis traditionell eher Sportuninteressiert sind, ergab es sich auch, dass wir mal öfters von irgendwelchen Fußballspielen der Bayer Leverkusen genervt wurden, weil sich der Bahnhof in eine Hochsicherheitszone entwickelte. Aber ich glaube, es war ein WM-Spiel, bei dem Claudia wie ein Nummerngirl durch den Laden lief und das aktuelle Ergebnis mit einer Papptafel hoch hielt.

Mit viel Schmerz haben wir es auch geschafft, dass das Shadow der erste Laden in Leverkusen war, der uneingeschränkt Freifunk anbot. Kostete mich einige Mühen, obwohl ich offiziell nicht involviert war, bis das stabil lief. Das führte dann auch zu den spannenden Aktionen, dass einige Leute lieber per Facebook ihre Musikwünsche äußerten, anstatt hoch zu gehen.

Oh, und dann die Konzerte. Eines der Highlights war definitiv, als ich Bruno Kramm überredete, mit Das Ich einen Gig zu spielen, aber auch viele andere Bands waren da. Etwa früher jeden Karnevalssonntag Schelmish (bis sie sich auflösten) und etwa Saltatio Mortis, bevor die irgend jemand kannte. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Das Shadow war immer der Anker in meinem Leben. 17 Jahre lang stellte sich die Frage nicht, was du am Wochenende machst. Du trafst da Bekannte, Freunde, Gleichgesinnte. Und auch, wenn es da mal Meinungsverschiedenheiten gab (Ich mag kein Elektro), gab es doch keine Alternative, denn nirgends sonst lief diese Art von Musik völlig selbstverständlich.

Vor einer Woche ist das Shadow abgebrannt. All die Bilder, Erinnerungen, Deko und Theke werden durch „Entkernung“ verschwinden, aber es gibt Hoffnung, den Laden wieder neu aufzubauen. Dazu gibt's ein Crowdfunding. Bitte beteiligt euch!

Hier geht's zum Crowdfunding

Hier ein Artikel vom Leverkusener Anzeiger mit Fotos

Hier ein weiterer Artikel über meinen ersten Besuch im Shadow nach dem BrandS