Über den ECHO, die Musikindustrie und eine Sackgasse

Muss doch heute noch einen Rage-Post los lassen – über Musik

Ich habe in den 1990ern quasi gar keine Musik gehört, weil ich alles nur grässlich fand. Ich war damals in der Pubertät und vieles änderte sich. Das einzige, was blieb, war mein Musikgeschmack. Aber dazu später mehr.

Ich mag Musik, die handwerklich gut gemacht ist, wo du merkst, dass sie es mit Herzblut machen und ihre Instrumente beherrschen. Daher mag ich etwa unglaublich gern Folk, Folk Rock, Mittelalter Rock, NDH und einige Randbereiche von Metal. Zum Größtenteils sind das Bands, die ohne Technik genauso klingen wie mit. Neuerdings nennt sich das „Akustisch“, früher nannte sich das „normal“.

Ich liebe den Karneval, weil die klassische Karnevalsmusik das ist, was heute „Folk“ genannt wird. Ostermann lebte es vor, die Bläck Fööss setzten es konsequent fort. Nicht umsonst haben viele „Karnevalsklassiker“ eine Melodie aus dem Irish Folk. Die meisten „neuen“ Bands respektieren das und führen den Kölsch Folk konsequent weiter, teilweise extrem rockig, was ich geil finde. Dann gibt's aber auch so von der Musikindustrie gesteuerte … Gruppen, wo beispielsweise einige Mädels zu Playback herum hüpfen. Ihr mögt das anders sehen, für mich ich das eine akustische Beleidigung.

Und nein, ich habe nichts gegen elektronische Musik - wenn sie gut gemacht ist. Schon in den 1990ern war die löbliche Ausnahme vom Einheitsbrei Enigma, Deep Forest und ähnliches. Heute ist es z.B. Schiller. Das sind aber Leute, die wissen, was sie tun, und mehr als drei Akkorde beherrschen.

Es ist echt traurig, dass nahezu die gesamte Musik nur auf einem von der Musikindustrie eingeebneten Stil stattfindet, der sich gut verkaufen lässt, im Radio rauf und runter läuft (denke ich, höre sowas nicht) und aus kaum mehr als drei Akkorden besteht.

Der Eklat um den ECHO ist da nur die logische Konsequenz. Die Musikindustrie hat sich mit ihrer Vereinheitlichung und Beliebigkeit in eine Sackgasse manövriert, sodass alle, denen was an Musik liegt, inzwischen das Weite gesucht haben. Übrig bleibt nur etwas, was die Essenz dieses Weges ist. Nun müsst ihr damit leben, Musikindustrie! Ich werde auch weiterhin nicht hören, was ihr für massentauglich haltet, da ich mir eine eigene Meinung gestatte.