Awareness in der Piratenpartei

Eine Vorstellung der SG Awareness, außerdem ein Abriss über Kegelklub, Piratinnen-Netzwerk und #PiratinnenKon

Vielleicht erinnert ihr euch noch an die Diskussionen, die es rund um den Bundesparteitag in Bingen im Jahr 2010 gab, z. B. über die Auszeichnungen der Toiletten oder gewisse Personen betraf. Ich möchte jetzt nicht weiter darauf eingehen, da es sicherlich Fehler auf beiden Seiten gab, aber damals zeichnete sich schon ein Konflikt ab, der sich später verschärfen sollte.

Irgendwann hatten wir dann eine Situation, die immer wieder mal vorkommt, dass sich Kandidatinnen beim „Grillen“ sexistische Sprüche und andere Formen von Diskriminierung anhören mussten, weshalb sie von Vornherein auf eine Kandiatur verzichteten. Auch auf Stammtischen gab und gibt es ähnliche Situationen.

Ungefähr zu dieser Zeit brachen Berliner Piratinnen auf( damals war es sogar verpönt, sich so zu nennen) und taten etwas typisch „männlich“ assoziiertes: Sie gingen kegeln. Kegeln gegen Sexismus.

Auf diesen Kegelklub-Treffen entstand die Idee, eine Umfrage durchzuführen um zu prüfen, wie groß das Sexismus-Problem in der Piratenpartei wirklich ist. Teilweise kamen da erschreckende Dinge zutage, aber es gab auch viele positive Beispiele.

Etwa zu diesem Zeitpunkt fing ich selbst an, auf Einladung quasi als erste Nicht-Berlinerin im Kegelklub mitzudiskutieren, womit sich die Mailingliste des Kegelklubs langsam zu einer allgemeinen bundesweiten Feminismus-Diskussionsrunde entwickelte.

Kurz vor dem Bundesparteitag vor etwas über einem Jahr gründeten wir das Piratinnen-Netzwerk, das die Vernetzungsstelle für die inzwischen zahlreichen Frauengruppen, sowie zentrale Anlaufstelle für sexistische Diskriminierung sein sollte.

Wir wurden angefeindet, wir wurden beleidigt, wir mussten Shitstorms aushalten – aber wir waren präsent und das zeigte Wirkung!

So etwa in einem Zeitungsinterview anfang dieses Jahres, in dem Bernd Schlömer davon sprach, dass Frauen gefördert, aber auch gefordert werden sollen. Wir nahmen ihn beim Wort und zeigten ihm, was wir davon halten. Aus dieser speziell für ihn geplanten „Nachhilfestunde“ entstand dann die PiratinnenKon, die sich auch mit sexistischer Diskriminierung beschäftigen sollte.

Schon bei der Planung der Konferenz stellte sich heraus, dass wir teilweise auch in unserer Filterblase gefangen waren und das Diskriminierungsproblem größer und häufig anders geartet ist, als uns bewusst war. Naturgemäß haben wir es aus unserer weiblichen Sicht gesehen, jedoch gibt es in unserer Partei auch andere diskriminierende Strömungen. Noch bevor unsere Konferenz stattfand, nahmen dankenswerterweise schon Piraten aus Sachsen sich dieses Problems an und organisierten die HäkelKon/QueerKon mit einem weiter gefassten Inklusionsthema.

Unanhängig davon versprach uns Bernd Schlömer auf der PiratinnenKon, eine Beauftragung für Antidiskriminierung auszuschreiben, was später auch geschah. In der Nachbereitung der Konferenz und den Aufzeichnungen dazu konnten wir sehr konkrete Vorgaben auf die Stelle entwickeln.

Leider gab es nur eine einzige Bewerberin, die sich schnell als völlig ungeeignet heraus stellte. Die Stelle wurde deshalb neu ausgeschrieben und soweit ich weiß, gab es bisher keine weitere Bewerberin oder einen Bewerber.

Was können wir nun tun, um weiter gegen diese Missstände vorzugehen? Dass es Probleme gibt, wird ja niemand wegdiskutieren können! Schaut einfach nur mal in die Mailinglisten oder auf Twitter. Dort herrscht oft eine Gesprächskultur vor, die man kaum noch als „Kultur“ bezeichnen kann. Es ist teilweise einfach nur widerlich.

Wir haben auf den Mumble-Sitzungen des Piratinnen-Netzwerks oft darüber diskutiert, und auf dem Treffen während des Bundesparteitags in Neumarkt entstand dann die Idee, die in der Vergangenheit als Manifest gegründete SG Shitstorm unter etwas eindeutigerem Namen wiederzubeleben.

Letztlich einigten wir uns auf den Namen SG Awareness, da zum einen alles mit „-innen“ bei vielen (unnötigerweise) negativ belegt ist und z.B. das Piratinnen-Netzwerk als Vernetzungsgruppe auch andere Ziele hat.

Diese Servicegruppe soll nun als „neutrale Instanz“ – bis es dann hoffentlich eine offizielle Antidiskriminierungsbeauftragung – gibt, Anlaufpunkt für „Opfer“ sein, sowie vor allem proaktiv darauf hinwirken, dass es gar nicht erst soweit kommt. Wir sind keine Expertinnen und uns fehlt auch der entsprechende fachliche Hintergrund, den eine offizielle Antidiskriminierungsbeauftragte haben sollte, dennoch tun wir, was wir können und wir versuchen, das Miteinander für alle Strömungen und Gruppierungen in der Partei besser zu gestalten, damit diese unnötigen Grabenkämpfe endlich aufhören!

Derzeit gibt es zwei Mumble-Sitzungen pro Monat (1. und 3. Sonntag ab 19 Uhr im Mumble-Raum des Piratinnen-Netzwerks) und wir nutzen die Mailingliste des Piratinnen-Netzwerks für Diskussionen. Ich hoffe, dass sich durch meinen Artikel hier die eine oder der andere bereit erklärt, uns zu unterstützen. Hilfe ist wirklich herzlich Willkommen.

Und gerne könnt ihr nach Personen mit (semi-)professionellem Hintergrund Ausschau halten und diese motivieren, sich auf die ausgeschriebene Stelle zu bewerben. Oder habt ihr gar selbst dieses Hintergrundwissen oder traut euch die Aufgabe zu?